Eine günstige Fertiglesebrille eignet sich als Ersatz- oder Zusatzbrille. Sie gleicht jedoch weder unterschiedliche Sehstärken der Augen noch andere Sehfehler aus. Wenn Sie regelmäßig eine Brille brauchen oder für mehrere Sehaufgaben eine passende Lösung suchen, lassen Sie Ihre Augenwerte bestimmen.
Wofür brauchen Sie die Lesebrille?
Legen Sie zuerst fest, bei welcher Tätigkeit Sie die Brille nutzen möchten. Für ein Buch halten Sie den Text meist näher heran als einen Bildschirm. Eine gewöhnliche Lesebrille ist auf einen durchschnittlichen Leseabstand von etwa 40 Zentimetern ausgelegt. Für Bildschirmarbeit nennt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin bei einer Bildschirmbrille häufig einen Abstand von etwa 70 Zentimetern. Das sind Orientierungswerte, keine festen Vorgaben für jeden Arbeitsplatz.
Messen Sie Ihren typischen Abstand, indem Sie beim Lesen oder Arbeiten auf Ihre normale Haltung achten. Teilen Sie den Wert bei einer Sehstärkenbestimmung mit. Wenn Sie häufig zwischen Buch, Bildschirm und Gespräch wechseln, kann eine Brille für mehrere Entfernungen besser passen als eine reine Lesebrille.
Die Stärke bestimmen lassen
Die Stärke von Brillengläsern wird in Dioptrien angegeben. Bei einer Korrektur der Alterssichtigkeit gilt: Je höher der Pluswert, desto stärker unterstützt das Glas das Nahsehen. Eine Tabelle, die das Alter direkt der passenden Stärke zuordnet, gibt es nicht. Menschen gleichen Alters können unterschiedliche Werte benötigen, und auch die Leseentfernung spielt eine Rolle.
Ein Seh- oder Nahsehtest zeigt, welche Korrektur zu Ihren Augen passt. Das ist besonders sinnvoll, wenn Ihre bisherige Brille nicht mehr ausreicht, Sie mit den Augen unterschiedlich sehen oder bereits eine Fernbrille tragen. Eine Augenarztpraxis oder ein Optikergeschäft kann die Werte prüfen. Legen Sie bei der Beratung Ihre bisherige Brille vor und beschreiben Sie, was Sie damit lesen oder am Bildschirm sehen möchten.
Fertiglesebrille oder Maßanfertigung?
Fertiglesebrillen haben in der Regel auf beiden Seiten die gleiche Stärke. Sie eignen sich als einfache Zusatzlösung, wenn beide Augen eine ähnliche Nahkorrektur brauchen und keine weiteren Sehfehler ausgeglichen werden müssen. Eine individuell angefertigte Lesebrille wird auf die Werte jedes Auges und den Abstand zwischen Ihren Pupillen abgestimmt. So passt sie besser zu Ihrem Sehen und Ihrem Gesicht.
Eine Untersuchung aus dem Jahr 2012 prüfte 322 Fertiglesebrillen aus Geschäften im Nordosten Englands. 48 Prozent erfüllten die damals herangezogenen Anforderungen an die optische Qualität nicht; bei den untersuchten Modellen mit +3,50 Dioptrien waren es 62 Prozent. Die Stichprobe sagt nichts Verlässliches über alle heute angebotenen Fertiglesebrillen in Deutschland aus. Sie ist ein Grund, Fertigmodelle als praktische Ergänzung einzuordnen und nicht als passende Hauptbrille für alle.
Wenn Sie eine Fertiglesebrille testen, achten Sie darauf, ob Sie den Text in Ihrem üblichen Abstand klar und entspannt sehen. Eine Brille, die nur bei besonders kurzem oder langem Abstand funktioniert, passt möglicherweise nicht zu Ihrem Alltag. Wenn die Brille unangenehm sitzt oder Sie verschwommen sehen, lassen Sie die Stärke überprüfen.
Sitz und Gläser prüfen
Die Brille sollte bequem auf der Nase liegen und beim Lesen nicht rutschen. Die Gläser sollten vor den Augen so ausgerichtet sein, dass Sie ohne unnatürliche Kopfhaltung lesen können. Bei Fertigmodellen passen Sitz und Ausrichtung der Gläser nicht automatisch zu jedem Gesicht. Probieren Sie daher verschiedene Fassungen an und prüfen Sie den Sitz auch in Ihrer normalen Leseposition.
Eine Lesebrille ist für das Nahsehen bestimmt. Sie ersetzt keine Fernbrille und ist nicht für Tätigkeiten gedacht, bei denen Sie in die Ferne sehen müssen. Wenn Sie neben dem Nahsehen auch andere Sehfehler korrigieren möchten, besprechen Sie eine Mehrstärken- oder Gleitsichtbrille.
Sehveränderungen ärztlich abklären lassen
Bei vielen Menschen setzt Alterssichtigkeit ab Mitte 40 ein, wobei Zeitpunkt und Ausprägung von Person zu Person variieren. Neue oder rasch zunehmende Sehprobleme sollten Sie nicht einfach mit einer stärkeren Lesebrille ausgleichen lassen. Lassen Sie die Ursache prüfen, besonders wenn Ihre Sicht plötzlich deutlich schlechter wird.
Lichtblitze, viele neu auftretende dunkle Punkte oder ein dunkler Schatten im Sichtfeld sind Warnzeichen. Lassen Sie solche Beschwerden rasch augenärztlich abklären. Solche Beschwerden passen nicht zu einer gewöhnlichen Anpassung der Lesebrillenstärke.













