Tropfenförmige Gläser kennzeichnen den Aviator-Stil. Ob eine solche Brille zum Fliegen geeignet ist, hängt von den Gläsern, davon, wie gut sie Licht von der Seite abhält, und ihrem Sitz ab. Die Form allein sagt nichts darüber aus.
Fürs Cockpit empfehlen Luftfahrtbehörden eine neutrale Tönung und raten von polarisierten sowie selbsttönenden Gläsern ab. Wer eine Brille zum Fliegen sucht, sollte die konkrete Ausführung prüfen und sie mit dem eigenen Headset testen.
Aviator beschreibt eine Fassungsform
„Aviator“ bezeichnet eine Fassungsform, die mit der Fliegerei verbunden ist und heute auch als modischer Klassiker gilt. Unter dem Namen werden unterschiedliche Gläser angeboten, darunter polarisierte Varianten. Der Stil verrät also weder, wie dunkel die Gläser sind, noch ob sie fürs Cockpit geeignet sind.
Der Begriff Fliegerbrille beschreibt dagegen vor allem den Einsatzzweck: Die Brille soll bei den jeweiligen Lichtverhältnissen gut funktionieren. Sie soll ausreichend abdecken und sicher sitzen. Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA und die britische CAA empfehlen bestimmte Eigenschaften. Daraus ergibt sich keine weltweit einheitliche Bedeutung des Begriffs „Fliegerbrille“.
Tönung und Lichtdurchlass
Eine neutrale Tönung ist im Cockpit wichtig: Grau oder Braun verfälschen Farben weniger stark als deutlich gefärbte Gläser, sodass sich farbige Signale, Navigationslichter und Anzeigen besser erkennen lassen. Sehr dunkle Gläser erschweren außerdem den Blick auf Instrumente und die Umgebung.
Die FAA empfiehlt in ihrer Sonnenbrillen-Broschüre, 70 bis 85 Prozent des sichtbaren Lichts herauszufiltern. Das bedeutet, dass etwa 15 bis 30 Prozent des sichtbaren Lichts durch die Gläser gelangen. Die britische CAA nennt höchstens 80 Prozent Absorption, also mindestens 20 Prozent Lichtdurchlass. Im FAA-Handbuch steht dagegen eine Empfehlung, mindestens 85 Prozent des sichtbaren Lichts zu absorbieren. Diese Angaben stimmen nicht vollständig überein. Sie sollten daher nicht als eine weltweit geltende Grenze verstanden werden.
Der UV-Schutz ist eine eigene Eigenschaft. Die FAA empfiehlt 99 bis 100 Prozent Schutz vor UVA- und UVB-Strahlung. Eine dunkle Linse bietet nicht automatisch hohen UV-Schutz; dafür zählt die Kennzeichnung des Glases.
Polarisation im Cockpit
Polarisierte Gläser verringern störende Reflexe, etwa auf Wasser oder Schnee. Im Cockpit können sie zugleich Nachteile haben: LCD-Anzeigen werden unter Umständen schwerer lesbar, und an mehrschichtigen Cockpitscheiben können Muster oder Verzerrungen sichtbar werden. Reflexe auf Tragflächen oder anderen Flugzeugen, die beim Erkennen von Verkehr helfen, können ebenfalls abgeschwächt werden.
Deshalb raten FAA und CAA von polarisierten Gläsern im Cockpit ab. Das bedeutet nicht, dass jede Anzeige mit jeder polarisierten Brille unlesbar wird. Die Wirkung hängt auch von der jeweiligen Ausrüstung ab. Für den Alltag kann Polarisation nützlich sein; für einen Flugeinsatz zählt die Empfehlung für das konkrete Flugzeug und dessen Anzeigen. Eine Aviator-Fassung mit polarisierten Gläsern wird durch ihre Form nicht flugtauglicher.
Selbsttönende Gläser
Selbsttönende, auch photochrome Gläser genannt, dunkeln bei UV-Strahlung ab und hellen bei weniger UV-Strahlung wieder auf. Im Cockpit gelangt durch Scheiben möglicherweise weniger UV-Licht an die Gläser. Dann dunkeln sie unter Umständen weniger stark ab als erwartet. Bei einem schnellen Wechsel der Lichtverhältnisse, etwa beim Sinkflug durch Wolken, kann das Aufhellen zudem zu langsam sein.
Laut FAA erfolgt bei den von ihr behandelten Gläsern der größte Teil der Abdunkelung innerhalb der ersten 60 Sekunden, während das Aufhellen mehrere Minuten dauern kann. Die FAA nennt Temperaturen über 70 °F, also rund 21 °C, als möglichen Faktor für eine geringere Abdunkelung; diese Angaben gelten nicht für alle heute erhältlichen Glasmaterialien. Die CAA rät ebenfalls von photochromen Gläsern für Piloten ab, weil sie bei schnellen Lichtwechseln möglicherweise nicht rechtzeitig aufhellen.
Für den Alltag kann die Selbsttönung praktisch sein. Wer die Brille im Cockpit einsetzen will, sollte sich aber nicht darauf verlassen, dass sie sich dort schnell und passend an die Lichtverhältnisse anpasst.
Sitz und seitliche Abdeckung
Eine gut sitzende Brille bleibt auch bei schnellen Kopfbewegungen an Ort und Stelle. Die Brille sollte auch Licht von der Seite ausreichend abhalten. Kleine Gläser können dafür zu wenig Fläche abdecken, während breite oder ungünstig geformte Bügel unter einem Headset drücken.
Prüfe die Brille deshalb zusammen mit dem Headset, das du beim Fliegen verwendest. Achte darauf, ob die Bügel drücken, die Brille verrutscht oder seitlich viel Licht einfällt. Eine gebogene Fassung kann Streulicht von der Seite abhalten; entscheidend bleibt aber, wie die konkrete Brille auf deinem Gesicht sitzt und mit der Ausrüstung zusammenpasst.
Brille fürs Cockpit auswählen
Für eine modische Sonnenbrille reicht es, Passform, Tönung und UV-Schutz passend zum Alltag auszuwählen. Fürs Fliegen kommen weitere Fragen hinzu: Sind die Gläser unpolarisiert? Bleiben Farben gut erkennbar? Reicht die Abdeckung? Sitzt die Fassung bequem unter dem Headset? Die Antworten hängen vom Einsatz und der Ausrüstung ab.
Eine Pilotenbrille im Aviator-Stil kann diese Anforderungen erfüllen, muss es aber nicht. Wer tatsächlich fliegt, sollte die Glaseigenschaften und den Sitz prüfen und bei Vorgaben des Arbeitgebers oder Betreibers diese beachten. Ein Augenoptiker kann bei der Auswahl beraten. Für Anforderungen im Flugbetrieb gelten die Vorgaben der zuständigen Stellen und des jeweiligen Flugzeugs.
